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Automobil

Zebrastreifen: Einspurige halten seltener an als Autos

    Rund 400.000-mal pro Tag wird Fußgängern das Überqueren des Schutzwegs erschwert, rechnet das Kuratorium für Verkehrssicherheit hoch

    Rund 400.000-mal pro Tag können Fußgänger in Österreich nicht gefahrlos über einen Zebrastreifen gehen, hat das KfV hochgerechnet.

    Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) hat im September und Oktober 5.000 “Fußgänger-Lenker-Interaktionen” beobachtet, um so zu eruieren, wie sicher Zebrastreifen sind. Die gute Nachricht vorweg: In 90 Prozent der Fälle war den Fußgängern das gefahrlose Queren der Straße über einen Schutzweg möglich. Bleiben zehn Prozent für die schlechte Nachricht. Rund 500-mal fuhr die Lenkerin oder der Lenker eines Fahrzeugs weiter, ohne den wartenden Fußgänger queren zu lassen. Und es waren mit 16 Prozent deutlich öfter Lenkerinnen und Lenker von einspurigen Fahrzeugen, die nicht vor dem Zebrastreifen hielten, während Pkw- und Lkw-Lenker eine “deutlich höhere Anhaltebereitschaft” zeigten.

    Schlusslicht Tirol

    Hochgerechnet auf Österreich – mit normalem Verkehrsaufkommen – hieße das, dass rund 400.000-mal pro Tag Fußgängern das Überqueren der Straße auf einem Zebrastreifen erschwert wird. Die geringste Anhaltebereitschaft wurde in Tirol gemessen, die höchste in Wien.

    Für Klaus Robatsch, Leiter der Verkehrssicherheitsforschung im KfV, ist es zwar erfreulich, “dass dem überwiegenden Großteil der Fußgänger eine Querung an ungeregelten Schutzwegen möglich ist. Berücksichtigt man jedoch, dass dies an und für sich selbstverständlich sein sollte, so ist hier dennoch noch großes Optimierungspotenzial vorhanden.”

    Für Klaus Robatsch, Leiter der Verkehrssicherheitsforschung im KfV, ist es zwar erfreulich, “dass dem überwiegenden Großteil der Fußgänger eine Querung an ungeregelten Schutzwegen möglich ist. Berücksichtigt man jedoch, dass dies an und für sich selbstverständlich sein sollte, so ist hier dennoch noch großes Optimierungspotenzial vorhanden.”

    Zu gefährlich für Schutzwege

    2019 wurden 721 Personen auf einem ungeregelten Schutzweg verletzt, sechs Personen getötet. Das sind 19 Prozent der insgesamt im Jahr verletzten Fußgänger im Straßenverkehr, rechnet das KfV vor. “Der Begriff Schutzweg bedeutet leider nicht, dass Fußgänger hier immer gut geschützt sind. Bei der Verkehrsplanung muss daher auch immer überprüft werden, ob ein Schutzweg die beste Wahl ist: Wenn etwa die erforderliche Sichtweite nicht gegeben ist oder die Fahrgeschwindigkeiten zu hoch sind, ist die Anbringung eines Schutzweges zu gefährlich. Je nach den spezifischen Gegebenheiten vor Ort bieten sich hier andere Lösungen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit an”, sagt Robatsch.

    Gefährliche Schutzwege sorgten bereits im August für Schlagzeilen. In Gerlos wurden damals alle Zebrastreifen entfernt – eben weil sie nicht sicher genug waren. Ein Problem, das viele Gemeinden kennen. So auch Bürgermeister Christoph Wolf (ÖVP) aus Hornstein, der ebenfalls schon Schutzwege im Ort entfernen lassen musste. Grund dafür war jeweils eine Entscheidung der Bezirkshauptmannschaft, wie er sagt, “die bei ihren jährlichen StVO-Überprüfungen”, also einer Nachschau, ob alles der Straßenverkehrsordnung entspricht, “in den Gemeinden gewisse Änderungen veranlasst”. Wie etwa auch, dass zu gefährliche oder zu wenig benutzte Zebrastreifen entfernt werden müssen.

    Genehmigung der Bezirkshauptmannschaft

    Auch das Errichten eines Schutzwegs kann ein ziemlich kompliziertes Unterfangen sein, wie Wolf sagt: “Für mich ist ein Schutzweg dann schon sinnvoll, wenn nur einer Person damit geholfen ist”, doch das genügt der Bezirkshauptmannschaft, die für die Genehmigung zuständig ist, nicht als Grund. “Für eine Genehmigung werden Verkehrsgutachten erstellt, die die Anzahl an fahrenden Fahrzeugen und an Fußgängern messen. Daran scheitern dann Schutzwege oft.”

    Wird die Errichtung eines Schutzwegs abgelehnt, behelfen sich manche Gemeinden mit anderen Lösungen. Dazu gehören etwa “bauliche Maßnahmen wie Fahrbahnverengungen oder Querungshilfen”, also Verkehrsinseln in der Mitte der Fahrbahn, Bremsschwellen, die auch als liegende Polizisten oder “Hupferl” bekannt sind. “Es ist aber finanziell nicht immer möglich, diese Maßnahmen zu treffen”, sagt Wolf, “weshalb wir uns auch auf bewusstseinsbildende Maßnahmen konzentrieren.”

    In mehreren Gemeinden, in denen die Errichtung eines Schutzwegs abgelehnt wurde, half man sich anders und malte statt des Zebrastreifens eine rote Fläche auf die Straße – was in der Praxis oft erstaunlich gut funktioniert. Für diese roten Streifen, wie man sie etwa in Perchtoldsdorf oder Eisenstadt sieht, gibt es aber keine rechtlichen Vorschriften – man muss davor also mit einem Fahrzeug nicht halten, wenn ein Fußgänger die Straße überqueren will. Für Christoph Wolf sind sie keine adäquate Lösung, weil “man Fußgänger damit leider in falscher Sicherheit wiegt”.

    Source- derstandard.at

      Lam Taggart

      The author Lam Taggart