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Automobil

Renault Twingo Electric: Mobilitätswandel mit Heckantrieb

    Klein beginnen, groß aufgeigen: So lässt sich die Elektrostrategie von Renault auf den Punkt bringen. Den Zoe ergänzt ab 2021 der fürs Urbane konzipierte Twingo Electric

    Das wird ja langsam eine hübsche Anzahl heckgetriebener E-Mobile. Smart hat damit angefangen, seit kurzem mischt der Honda e mit und ab demnächst auch noch der mit dem Smart Forfour weitgehend baugleiche weil von Renault in Kooperation mit Daimler entwickelte Twingo.

    Die Elektro-Antriebstechnik hingegen hat mit Smart nix zu tun, dies gleich vorweg, und zur Beschämung der bald ausschließlich chinesischen Klein(st)wagentochter des großmächtigen deutschen Premiumherstellers ist der E-Twingo günstiger und obendrein reichweitenstärker.

    Kurz zum Vergleich: Der EQ Forfour kostet ab 26.140 €, sein E-Motor leistet im Dauerbetrieb 41 kW (56 PS), in der Spitze 60 (81 PS), die 17,6-kW-Batterie erlaubt 116 bis 130 km Reichweite, und er beherrscht schnelles Laden mit bis zu 22 kW.

    Dem gegenüber pendelt der Twingo preislich zwischen 20.490 und 24.490 € (wie beim Smart Förderung noch nicht eingerechnet). Leistung im Dauerbetrieb: 51 kW (70 PS), Spitze: 60 kW (81 PS). Mit der 21,4-kWh-Batterie (von LG Chem) fährt man bis zu 190 km weit, 22-kW-Schnellladen kann er auch. Wer weiter will, müsste bei Renault zum Zoe greifen, der ist aber mit 4,09 m Länge nicht mehr ganz so stadttauglich wie der 3,62-Meter-Twingo.

    Renault hat dieser Tage eine – Corona-bedingt – Light-Version einer Fahrzeugpräsentation organisiert, klinisch rein, versteht sich. Wir haben das gerne angenommen, weil nämlich: spannendes Auto.

    190 km Reichweite? Da fällt einem doch gleich auch der oben erwähnte Honda ein, mit 3,89 m nicht wesentlich größer und mit 210 km Reichweite fast auf Augenhöhe mit dem Franzosen. Der “e” ist vor allem einmal ein Spaßgerät, den bewegt man häufig im stromfressenden Sport-Modus, bis man vom Grinsen genug hat oder saftlos ausrollt.

    Und der Twingo? Kaum minder, so der erste Eindruck. Verfügt zwar über keine Sport-Betriebsart, hat sonst aber durchaus einiges auf dem Kasten. Erstes Beispiel, Stadteinsatz immer im Hinterkopf: Den Honda drehst du fast am Stand in die konträre Fahrtrichtung. Na und? Der Twingo steht dem in nichts nach, der Wendekreis ist mit 8,6 m ident.

    Brav bis frech

    Und wegen des tiefen Schwerpunkts und eben des Heckantriebs lässt sich mit dem Renault nicht nur kreuzbrav durch den Stadtdschungel gondeln, sondern über Land gern auch ein wenig freches Kurvenfressen spielen, wie sich das aus der von der Renault-Österreich-Presseabteilung gewählten Testroute ergab: Die beinhaltete nicht nur Stadt und Stadtautobahn, sondern auch Abschnitte Speckgürtel/Wienerwald. Gut gewählt zum Abtesten der Twingo-Fähigkeiten, Kompliment.

    Knappe 80 Kilometer Wien und Umland durchmaßen wir auf diese Weise, 100 brachten wir wieder zurück, woraus sich schließen lässt, dass außer hochsommers und tiefwinters die Reichweitenkilometer recht ehrliche sein werden.

    Wer gern selbst in das Energierückgewinnungsspiel eingreift, schalte übrigens in die linke Schaltebene. Dort lassen sich drei Rekuperationsstufen anwählen, vom (fast) Segel bis zum (fast) Einpedalbetrieb.

    Sonstige Eindrücke? Der Twingo verzichtet auf Breitbandtouchbildschirm oder Kamera-Außenspiegel wie im Honda, er macht optisch auf konventionell chic. Nahezu makelloses, ökokorrektes Fahrzeug. Aber auch ein klassisches Zweitauto.

    Source- derstandard.at

      Lam Taggart

      The author Lam Taggart