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Dopaminregen: Musik, die uns glücklich macht

Welche Musik glücklich macht, liegt ganz und gar im Ohr des Hörers – und hat mit fröhlichen Melodien nicht viel zu tun

Im Roman Unendlicher Spaß, dem Opus magnum des Jahrhundertautors David Foster Wallace, geht es nebst vielen anderen Dingen um einen Film, der so unterhaltsam ist, dass seine Zuseher ihn sich wie unter Zwang immer wieder reinziehen. Darüber vergessen sie schließlich zu essen und trinken und sterben infolge des großartigen Entertainments. Ungeachtet des bitteren Endes geht Foster Wallace also davon aus, dass es etwas gibt, das alle Menschen gleich begeistert.

Als Autor einer fiktionalen Geschichte darf er das, sucht man aber in der Realität nach einer Parallele, nach etwas, das alle Menschen gleich begeistert, glücklich oder tieftraurig macht, wird man keine pauschale Antwort finden. Zu unterschiedlich sind die Geschmäcker und Emotionen.

Tendenziell flott

Das heißt aber nicht, dass die Leute es nicht immer wieder versucht hätten. Nehmen wir das Feld der Musik. Durchaus hat es schwindlige Bemühungen gegeben, herauszufinden, welche Musik zum Beispiel dumm und im Umkehrschluss g’scheit macht, allerdings standen diese in ihrer Wissenschaftlichkeit der Einnahme von Globuli um nichts nach.

2015 wollte eine britische Firma für Heimelektronik namens Alba wissen, welche Musik glücklich macht. Sie beauftragte den Neurowissenschafter Jacob Jolij von der Reichsuniversität Groningen damit, die Daten zu liefern. Er machte sich also daran, Menschen nach ihren “Happy Songs” zu befragen und Gemeinsamkeiten bei den genannten Liedern zu finden. Wenig überraschend kam dabei heraus, dass glückbringende Songs tendenziell flott sind (um die 150 Beats per Minute), in Dur gehalten und textlich auf der positiv gestimmten Seite – nanonaned.

Überleben durch Musik

Don’t Stop Me Now von Queen, Eye of the Tiger von Survivor oder Girls Just Wanna Have Fun von Cyndi Lauper entsprechen zum Beispiel den ermittelten Kriterien. Dass diese Recherche sehr simpel war, gibt Jolij selbst zu: “Nur weil ein Song nicht diesen Kriterien entspricht, kann er sehr wohl auch als glücklicher Song wahrgenommen werden. Es gibt viel mehr Faktoren, die bei der Wahrnehmung von Fröhlichkeit mitspielen, von Klangfarben bis zu persönlichen Erinnerungen”, sagt er zum Standard.

Wenn einen also die eigene Freundin gerade betrogen hat, wird sich der Dopaminregen bei Girls Just Wanna Have Fun wahrscheinlich nicht unbedingt einstellen. Sagt keine Studie, aber der Hausverstand.

Dopamin ist aber ein gutes Stichwort, nicht nur, weil so der Titel eines Albums der Böhzen Onkelz lautet, sondern auch weil der im Volksmund Glückshormon genannte Neurotransmitter bei Musikgenuss, zuletzt 2019, in einer in den Proceedings of the National Academy of Sciences abgedruckten Studie nachgewiesen werden kann.

Wenn also Menschen Musik hören, die ihnen gefällt, wird mehr Dopamin als normalerweise ausgeschüttet. Das ist insofern interessant, als Dopamin zumeist dann ausgeschüttet wird, wenn man Dinge tut, die das Überleben sichern sollen: Sex oder Essen zum Beispiel.

In sich hineinhören

Daraus kann man jetzt schließen, dass Musik nicht nur systemrelevant, wie es so schön auf Neusprech heißt, sondern evolutionstechnisch wohl sogar überlebensrelevant sein könnte. Bei solchen Schnellsch(l)üssen sei zwar Vorsicht geboten, der Gedanke ist aber durchaus nett. Welche Platten oder MP3s die Probanden bei dieser Studie mitbrachten, ist nicht überliefert. Aus früheren Studien weiß man aber, dass es keineswegs fröhliche Songs sein müssen, die für die Ausschüttung von Dopamin sorgen. Die traurigste Musik kann für das größte Glücksgefühl sorgen, Musik, die irgendwie dämlich ist und gerne unter dem Stichwort “Guilty Pleasure” firmiert, Musik nur, wenn sie laut ist, wie Herbert Grönemeyer vielleicht sagen würde.

Deswegen ist es – gerade in Zeiten der Pandemie – vielleicht gar nicht so ratsam, sich die nächstbeste Playlist mit vermeintlichen “Feel-good-Songs” aufzudrehen. Stattdessen sollte man lieber kurz in sich hineinhören und sich daran erinnern, welche Musik einem die meisten Hochgefühle beschert.

Source- derstandard.at

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Wie die Tracht “erfunden” wurde

Die Ethnologin Elsbeth Wallnöfer spürt der problematischen Geschichte und Ideologie der Tracht nach

Geschniegelt sitzt er am Bauerntisch. Das Hemd makellos weiß, die Trachtenjoppe beinahe ungetragen. Die Bauersleut’ scheinen sich in ihrer schweren, abgetragenen Kleidung über den Fremden lustig zu machen. Salontiroler hat der Osttiroler Maler Franz Defregger sein berühmt gewordenes Bild genannt, das bei seiner Entstehung im Jahre 1885 eine bereits genau umrissene Figur in den Mittelpunkt stellte: den Touristen aus der fernen Großstadt, der sich mit Lederhose und Trachtenjanker als Tiroler verkleidete.

Der Spott der Einheimischen war ihm sicher. Sie selbst waren weitaus weniger dekorativ gekleidet. Als ein Freund Heinrich Heines, August Lewald, einige Jahrzehnte zuvor das Zillertal bereiste, staunte er nicht schlecht ob der “widerlichen” Mode, die er zu sehen bekam: Den Frauen im Zillertal “hängen die Brüste wie bei den Weibern von Mangermannskraal in Afrika tief herab”, wusste er zu berichten: “Der lange, faltige Rock reicht bis unter die Brust hinauf, und eine dicke Wulst sucht zwischen dieser und den Hüften ein richtiges Verhältnisz herzustellen.”

So etwas wie eine traditionelle, die Taille genauso wie die Schultern betonende Tracht samt bestickter Schürze und obligater Kopfbedeckung bekam er nicht zu Gesicht.

Erfindung späterer Jahre

Sie ist eine Erfindung späterer Jahre, wie die Ethnologin Elsbeth Wallnöfer in ihrem neuen Buch Tracht Macht Politik nicht müde wird zu betonen. Entgegen der landläufigen Annahme, Trachten seien Ausdruck einer regionalspezifischen, über die Jahrhunderte gewachsenen Tradition, beschreibt sie sie als mutwillige Konstrukte mit eindeutigen ideologischen Implikationen.

“Gesinnungskleidung” nennt Wallnöfer sie oder etwas freundlicher ausgedrückt: eine “Flunkerei der Kostümkunde”. Während das Dirndl in der landläufigen Interpretation als eine Laune der Mode dargestellt werde, werde die Tracht mit einem bestimmten Kollektiv und strengen Regeln verknüpft. Zurückzuführen sei das auf eine seit der Zwischenkriegszeit forcierte Entwicklung, die eng mit dem Namen der Tiroler “Trachtenforscherin” Gertrud Pesendorfer verknüpft ist.

Sie ist die zentrale Figur der NS-Trachtengeschichte, deren Erbe bis in die heutige Zeit wirkt und oft selbst von aufgeklärten Geistern unbewusst übernommen wird. Pesendorfer führte so etwas wie eine weibliche Silhouette in die plumpe Tracht ein. Sie setzte in den 1930er-Jahren Materialien und Längen fest und schuf imaginäre “Trachtenregionen”. Vieles von dem, was bis heute als geschichtlich gewachsen gilt, war nichts anderes als ihre Erfindung. Als Ausdruck “deutschen Wesens” fungierte die Tracht als ein ideologischer Baustein in einem auf Ausschluss aufgebauten Weltbild.

Pesendorfers Konzept der sogenannten “erneuerten Tracht” richtete sich gegen eine Entwicklung, die im Jahrzehnt zuvor an Fahrt aufgenommen hatte und zu einer Diversifizierung im Umgang mit alpinen Kleidungsvorlieben geführt hatte. Sommerfrischler griffen immer öfter auf die leichte, maschinell gefertigte Baumwollkleidung von Dirnen und Mägden zurück, variierten und bereicherten sie.

Feldzug gegen jüdische Dirndln

Eine lustvolle Dirndlmode entstand, oftmals getragen von jüdischen Städtern oder sozialreformerischen Kräften. Das führte zu einem “beinahe religiös betriebenen Feldzug gegen jüdische und städtische Dirndlträgerinnen”, wie Wallnöfer in ihrem Buch schreibt.

Der Autorin gebührt das Verdienst, in die Geschichte eines ideologisch verbrämten Kleidungsstücks etwas mehr Licht gebracht zu haben. Das ist angesichts der Konjunktur von ländlichem Schick auch notwendig. Man möchte schließlich wissen, was man trägt.

Source- derstandard.at

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Licht-Blicke: Computer an, Ohren auf, es geht los!

Ablenkung gefällig? Auch während des zweiten Lockdowns liefert Ihnen die Kulturredaktion anregende Tipps für die kalten Tage

Zu hören: “Nachricht von O.” des Autor*innen-Kollektivs Plattform, bestehend aus Kerstin Hatzi, Florian Labitsch, Rosa Wallbrecher, David Wimmer und (nicht am Foto) Kathrin Liess.

Hörspiel

Die junge Grazerin O. ist verschwunden. Das ist die Ausgangslage im 50-minütigen Hörspiel Nachricht von O. des Autor*innen-Kollektivs Plattform. Die anfängliche Suche ist wieder versandet. Nun taucht eine Nachricht von O. auf. Zu hören hier. (wurm)

Literatur

An drei Terminen im November und Anfang Dezember hat die Autorin Monika Rinck unter dem Titel Vorhersagen. Poesie und Prognosen heuer die traditionelle Frankfurter Poetikvorlesung abgehalten. Bis 31.12. kann man alle Streams auf der Website der Goethe-Universität nachsehen. (wurm)

Tanz

Seine längste Performance dauerte ein ganzes Jahr, jetzt ist Alexander Gottfarb runtergefahren auf 50 Stunden. Die Durational Performance Encounters des in Wien lebenden schwedischen Choreografen und Tänzers wird seit Freitag (18 Uhr) und noch bis Sonntag (20 Uhr) auf der Webseite des Tanzquartiers Wien live gestreamt. Pausen erlaubt. (afze)

Theater

Nachdem Kinder (ab 5) am Sonntag Die kleine Hexe via Burgtheater-Website erzählt bekommen (ab 10 Uhr für 24 Stunden online), bittet das Theater die Großen um 18 Uhr zur zweiten Folge der #wunschvorstellung auf Twitter. Martin Schwab präsentiert schon am 5. 12. Tweets von Folge 1. (afze)

Konzert

Ihm konnte keine Seuche etwas anhaben: dem lieben Augustin, Bänkelsänger zu Wien. Das Wiener Hamakom Theater stream die geplante Produktion zu Ehren von Marx Augustin als Film: Alles ist. Hin? ab 9.12. (Link nach Ticketkauf). Zuvor aber spielt am Samstag noch Otto Lechner in der Reihe Sam’s Bar auf. Jeweils 20 Uhr. (afze)

Theater

Man macht derzeit im Zuge diverser Online-Konferenzen Bekanntschaft mit dem Wohnareal anderer, auch unbekannter Teilnehmer. Das Theater im Bahnhof nimmt divere Privaträume in Serienjunkies immer sonntags um 18 Uhr unter die Lupe. Zoom-Teilnahmelink nach Ticketkauf.

Source- derstandard.at

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Clublegende Klaus Feurstein gestorben

Der legendäre Feldkircher Gastronom starb mit 68 Jahren.

Er war ein Pionier der Vorarlberger Clubszene, legendärer Gastronom und jahrzehntelanger Betreiber des ehemaligen Cafè Feurstein und des Stone Club: Der Feldkircher Klaus Feurstein starb am Donnerstag, wie gestern bekannt wurde. Er wurde 68 Jahre alt.

Seit 1949 existierte das Cafè Feurstein – bis zum vergangenen Jahr. Der Konditormeister Feurstein übernahm vor 44 Jahren das Lokal von seiner Mutter. Das Cafè führte er zusammen mit seiner langjährigen Partnerin Maria Bawart. 1978 eröffnete der DJ und Gastronom im hinteren Bereich des Lokals den Stone Club, der zum beliebten Treffpunkt für Nachtschwärmer und Musikliebhaber wurde.

Techno

Denn Feurstein gelang es, zahlreiche internationale Größen der elektronischen Musik nach Feldkirch zu bringen: Electric Indigo, Efdemin und Vertreter der legendären Detroit-Techno-Szene drehten im Stone Club die Plattenteller, auch Nachwuchstalente kamen zum Zug. Die Gästeliste der nur 28 Quadratmeter großen Bar kann sich ebenfalls sehen lassen, sogar Falco gab sich einst die Ehre. Der Club füllte eine große Lücke im Feldkircher Nachtleben. Dabei legte auch Feurstein selbst regelmäßig auf. Als leidenschaftlicher Plattensammler und DJ verfolgte er die Techno-Szene seit Anfang der 1990er-Jahre. Für Szene-Anhänger war der Stone Club lange Zeit die wichtigste, wenn nicht einzigste Anlaufstelle.

„Ein echter Visionär“

Ende des vergangenen Jahres verabschiedete sich Feurstein in den Ruhestand. Das Ende von Kaffeehaus und Club schlug hohe Wellen, viele Feldkircher schmerzte der Abschied, sie wollten das Cafè mit dem denkmalgeschützten Mobiliar erhalten wissen. Was nun aus dem Lokal an der Ecke Schmied- und Schlossergasse werden wird, ist weiterhin ungewiss. Fest steht, dass Freunde und Weggefährten trauern. „Ein echter Visionär, sowohl gastronomisch als auch musikalisch. Und ein richtig liebenswerter Mensch“, sagte etwa der Feldkircher Gastronom Reinhard Rauch gegenüber vol.at.

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Kein Kino, keine Veranstaltungen

Kinos und Kultureinrichtungen bleiben bis 6. Jänner geschlossen.

Die am Montag in Kraft tretenden Lockerungen des in Österreich geltenden Lockdowns betreffen im Kulturbereich die Museen und Bibliotheken. Diese können ab 7. Dezember wieder öffnen. Pro Besucher müssen mindestens zehn Quadratmeter zur Verfügung stehen, dabei besteht auch die Pflicht, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Veranstaltungen sind jedoch bis inklusive 6. Jänner weiter untersagt. Dies sei „schmerzlich“, sagt Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP).

Buchhandlungen dürfen ebenso wie Galerien ab Montag wieder aufsperren – mit den für den restlichen Handel geltenden Restriktionen. Erst ab 7. Jänner können Kultureinrichtungen und Kinos wieder öffnen. „Wir wissen, dass das hart ist“, sagte der für Kultur zuständige Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) bei der Pressekonferenz, und dankte den Kulturschaffenden für ihr Verständnis. „Wir wollen nicht unter den Tisch fallen lassen, dass Kunst und Kultur auch ein essenzieller Bestandteil des Lebens sind.“

Bei der Wiederöffnung von Kinos, Theatern, Oper- und Konzerthäusern soll es „Einschränkungen abhängig vom Infektionsgeschehen“ geben. Über diese soll Mitte Dezember eine Zwischenevaluierung erfolgen, bei der dann auch die weiteren Details festgelegt werden sollen. Wie schon bisher erlaubt bleiben „Proben und künstlerische Darbietungen ohne Publikum, die zu beruflichen Zwecken erfolgen“.

Details zu allen anderen Bereichen siehe hier:

Der harte Lockdown, der seit rund zwei Wochen gilt, habe Wirkung gezeitigt, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz. Das zeige sich an der 7-Tage-Inzidenz. Diese sei vor Wochen bei etwa 600 gelegen, sie werde aller Voraussicht nach zum Ende dieser Woche bei 250 liegen. Das wären 3500 Neuinfizierte pro Tag. Die Überforderung der intensivmedizinischen Kapazitäten sei abgewendet worden. Daher könne es nun behutsame Öffnungsschritte geben. „Die Pandemie ist nicht vorbei“, konstatierte der Bundeskanzler. Er rechnet auch damit, dass die Ansteckungszahlen rund um Weihnachten und Silvester wieder steigen werden.

Source- neue.at

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